Lesachtaler BrotZeit: Bildungseinrichtungen im intergenerationellen Dialog

Der durchgängige Prozess vom Anbau und Verarbeitung des Getreides in hauseigenen Mühlen bis zum Brotbacken in hauseigenen Öfen hat im Lesachtal lange Tradition. Das Projekt BrotZeit führt Generationen zusammen und unterstützt die Weitergabe von Erfahrungswissen rund um die Herstellung von Brot und regionaler Identität.

Die Herstellung von Brot ist im Lesachtal ein wichtiger Bestandteil für die lokale Kultur und mit sinnlichen Erfahrungen, Ritualen und Bräuchen sowie persönlichen Geschichten verbunden. Dem zugrunde liegt ein breites Spektrum an regionalem Erfahrungswissen, das überwiegend mündlich weitergegeben wurde. Ziel des inter- und transdisziplinären Projekts BrotZeit war es, dieses Erfahrungswissen erstmals wissenschaftlich zu erheben, zu untersuchen und zu dokumentieren sowie im Sinne der kulturellen Nachhaltigkeit zeitgemäß und zukunftsgerecht aufzubereiten.

Gemeinsam mit dem Bildungszentrum Lesachtal (Projektverantwortliche Lehrer/in: Dipl. Päd. Hans Guggenberger, Dipl. Päd.in Petra Pargger) , der HLW Hermagor (Projektverantwortliche Lehrerin: Mag. Gabriele Waysocher) in Zusammenarbeit mit der Alpe-Adria-Universität, dem Kärntner Medienzentrum und lokalen Vereinen wurden für Schüler/innen passende Vermittlungs- und Inszenierungsformen entwickelt und umgesetzt, beispielsweise Brotbackworkshops, das gemeinsame Dreschen von Getreide, wie auch Erzählcafés und Zeitzeugeninterviews. Die Träger/innen des immateriellen Kulturerbes, angefangen bei den Bäuer/innen und Müller/innen bis hin zu den  Bäcker/innen und Kräutersammler/innen, haben ihr Wissen und Können mit den Jugendlichen bereitwillig geteilt, wodurch ein intensiver, intergenerationeller Dialog entstanden ist, der weit über das Thema Brotherstellung hinausging. Die gemeinsamen, praktischen Erfahrungen der jungen und älteren Generation, gewährten Einblicke in die lebendigen Traditionen zur Lesachtaler Brotkultur und wurden in zielgruppengerechter Form vermittelt, beispielsweise als Trickfilm, Rap oder in einem Theaterstück.

Als Multiplikator für zahlreiche andere Schul-Region-Universitätsprojekte stieß das Projekt BrotZeit sowohl im In- und Ausland auf großes Interesse. Die sehr enge Zusammenarbeit über Generationen hinweg (Alter von 7 bis 87 Jahren) ermöglichte die intergenerationelle Weitergabe von Erfahrungswissen und die direkte Einbeziehung von Jugendlichen. So entstanden Vernetzungen weit über das Thema hinaus, die zur kulturellen Nachhaltigkeit beitragen, förderlich für die Bewusstseinsbildung zu Landschaft und Kulturerbe sind und die die Gemeinschaftsbildung in der Region verstärken sowie weitere Projekte anstoßen.

Die Begegnungen und der Austausch mit Traditionsträger/innen haben die Jugendlichen dazu motiviert, sich intensiver mit dem immateriellen Kulturerbe ihrer Region auseinanderzusetzen und individuelle Talente zu entdecken. Das Verständnis füreinander wuchs in der Begegnung und Zusammenarbeit im gemeinsamen Thema „Brotkultur“ und zeigte auf, dass Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang bedeutet, achtsam und reflektiert Neues und Fremdes zu integrieren. In diesem Sinne wurde u.a. die Ausgestaltung des Lesachtales als Slow food travel Region vorangetrieben.

Text:  Österreichische UNESCO-Kommission (ÖUK), Zugriffsdatum: 5.9.19

Foto: Kärntner Medienzentrum, Zugriffsdatum: 5.9.19